Montag, 1. Februar 2010

“Unglück im Glück”

Nein, das ist kein fehlerhaftes Zitat eines bekannten Sprichtworts, sondern eine recht passende Beschreibung des gestrigen Tages:) Schnell hätte es gehen sollen (und auch können!), waren ja gerade mal 2 Baue zu kontrollieren. Einen ersten Anlauf hatten wir schon im Vorjahr genommen, damals jedoch mitten in der ärgsten Frostperiode auf ein Graberlebnis der anderen Art freiwillig verzichtet und somit beutelos den Rückzug angetreten. Heuer war es auch frostig, allerdings nicht so extrem wie damals, was uns dann aber trotzdem ein ganz besonderes Graberlebnis bescherte. Aber alles schön von Anfang an…
Treffpunkt 8:30, alle da, kurz gescherzt (“graben will ich nicht!” meinte ein Schütze nachdrücklich) und auf ging´s, die 150m in den Wald hinauf zum Ort des Geschehens, wo wir den Rest des Tages verbringen sollten – was uns zu dem Zeitpunkt aber natürlich noch nicht klar war. Oben angekommen, wurden - generalstabsmäßig geplant - die Schützen postiert, denn nichts sollte dem Zufall überlassen werden. Janosch schliefte bei einer Röhre unserer Wahl ein, die gefiel ihm aber nicht, weshalb er gleich wieder oberirdisch auftauchte, nur um in die benachbarte Röhre einzutauchen. Praktisch zeitgleich war sein vehementer Laut zu hören – es war etwas zu Hause! Da der Laut schon sehr knapp nach der Einfahrt begonnen und sich dann kontinuierlich wegbewegt hatte, ohne dass jedoch aus einer der vielen Röhren ein Fuchs auftauchte, vermuteten wir schon, dass möglicher Weise ein Dachs daheim war. Macht nichts, Janosch arbeitet mit Hirn am Dachs, freigegeben war er auch noch – wir wollten es also versuchen. Nach etwa 20 Minuten orteten wir Janosch und konnten deutlich seinen Laut hören, nach nur wenigen Spatenstichen war die Endröhre in unglaublichen nur 30cm Tiefe offengelegt und mir blitzte etwas entgegen, was ich für die Grannen eines Dachses hielt. Irgendwie ging es dann aber doch zu schnell, der bedrängte Dachs schob vehement nach vorn und war wieder weg. Darf´s denn sowas geben?! So schnell hätten wir fertig sein können… so wurde aber die zweite Runde eröffnet. Als sich einige Zeit lang nicht wirklich etwas tat, beschlossen wir, Janosch Affi als Unterstützung zu schicken. Es gab viel Bewegung in der Burg, wir orteten sie mal hier, mal da, aber so richtig fest waren sie nie. Wir begannen auch einen Einschlag, worauf sich unterirdisch aber alles wieder umstellte. Dann ahnten wir unsere zweite Chance gekommen und nach einem 1,3m tiefen Einschlag konnten wir zuerst Janosch abziehen und anleinen, dann endlich Affi, die hartnäckig arbeitete.

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Schnell, jedoch nicht ohne ein paar technische Schwierigkeiten, die uns später noch einmal fast in den Wahnsinn treiben sollten, wurde der Dachs erlegt und Affi zog ihn aus der Röhre. Geschafft!

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Die Begeisterung ob der erfolgreichen Arbeit war groß, im Freudentaumel sah einer der Revierinhaber jedoch einen zweiten Dachs aus der Endröhre heraushuschen, unter dem Einschlag durch und wieder hinein ins schützende Röhrensystem seiner Burg. Sch…! Die nun folgenden Kommentare mag ich hier nicht wiedergeben, vorstellen kann man sie sich allemal. Die Gesichter wurden schlagartig lang und länger, es war also noch nicht ausgestanden. Ein Glück, dass Dummheit (oder Schlamperei?) nicht weh tut!

Was nun folgen sollte werden wir uns noch jahrelang bei den diversen Gelegenheiten erzählen, mancher wird es als “Jägerlatein” abtun, aber die, die dabei waren, wissen um den Wahrheitsgehalt.
Affi wollte, so wie wir eigentlich, anfangs gar nicht wahrhaben dass die Arbeit noch nicht beendet war und stattdessen lieber ihr Wütchen am bereits erlegten Dachs kühlen.

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Sie schliefte dann aber doch wieder ein um Janosch zur Seite zu stehen, die beiden arbeiteten hoch ambitioniert. Bei einem der nächsten Einschläge hätten wir wieder zum Erfolg kommen können, aber das Glück war diesmal wirklich nicht auf unserer Seite. Affi wurde schnell abgezogen um mehr Platz zu haben, aber der Dachs war nicht festzuhalten und entwischte wieder. Von nun an arbeitete Janosch allein und bei einem der nächsten Einschläge war uns nicht nur das Glück, sondern vor allem die Technik nicht hold. Nach mehrmaligem Versagen der Pistole sprang der Dachs aus dem Einschlag und verschwand in der nächstgelegenen Röhre! Wir waren der Verzweiflung, Janosch der Erschöpfung nah. Einige Zeit später ließ sich Janosch vom Revierinhaber Christoph aus einem Einschlag heben, was eine absolute Premiere war – er hat sich noch nie von jemand anderem als uns beim Baujagen angreifen lassen. So fertig war der kleine Kerl, nur noch ein erdverschmutztes Häufchen Elend. Ich trug ihn also hinunter ins warme Auto, gab ihm Wasser und holte stattdessen Obi, den wir an dem Tag wg. einer Verletzung knapp unter dem Auge eigentlich gar nicht einsetzen wollten. Aber wenn uns jetzt noch jemand helfen konnte, dann er. Noch ein paar Stunden und weitere Einschläge später hatte Obi tatsächlich strategisch die Oberhand und schaffte es, den Dachs aus einer Röhre zu sprengen, direkt Christoph entgegen, der schon die längste Zeit am Boden liegend gewartet hatte! Die letzten 3 Patronen der Pistole ließen uns diesmal jetzt GsD nicht im Stich, nichtsdestotrotz verschwand Grimmbart ein paar Meter wieder unter der Erde. Das konnte doch unmöglich wahr sein?! Obi war ihm auf den Fersen und gab schon wieder Laut… Allmählich aber konnte man Obi nicht mehr hören, es bestand also Hoffnung, dass die Schüsse wirklich so gut gesessen hatten wie es ausgesehen hatte. Was uns mit der Zeit allerdings unruhig werden ließ war, dass Obi nicht auftauchte! Er muss irgendwie in einer Endröhre hinter den Dachs gelangt sein und konnte jetzt nicht mehr an ihm vorbei ins Freie – man hörte ihn winseln, er war also in einer verzwickten Situation. Ein Loch mehr oder weniger war an diesem verhexten und grabintensiven Tag auch schon egal, Einschlag Nr. 13 brachte somit zuerst den erlegten Dachs, dann den hinten dranhängenden Obi ans Tageslicht.

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Die Erleichterung und Freude aller Beteiligten war groß, Obi war wahrscheinlich nicht minder glücklich, endlich ins warme und trockene Auto zu können, wo er sich sofort einringelte und vor Erschöpfung einschlief. Die einer Kraterlandschaft ähnelnde Oberfläche wurde wieder begradigt und nach ein paar Erinnerungsfotos konnten wir endlich zum schwerverdienten ersten Essen dieses Tages aufbrechen.

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Hätten wir uns in der Freude über das erste Waidmannsheil die Zeit genommen, die Endröhre ordentlich zu kontrollieren, wäre alles um die Mittagszeit erledigt gewesen. So kamen wir gerade pünktlich zum Abendessen ins Wirtshaus, mit einem ordentlichen Muskelkater, nicht weniger großem Durst und einem Auto voller angeschlagener Terrier – aber auch um ein Jagderlebnis reicher, das man wirklich nicht alle Tage hat!

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Was ich fast vergessen hätte – das Kontrollieren des zweiten und letzten Baus haben wir uns für nächstes Wochenende aufgehoben;)